Ich reite auf einer Welle, die mich immer wieder ans Ufer treibt. Dann stehe ich da am Ufer, ganz nass von salzigen Strömungen und wundere mich. Und wenn ich trocken bin, werde ich wieder hineingerissen. Hinausgerissen in den wilden Ozean, der Alles ist und ich nichts und natürlich gleichermaßen andersrum. Wie gut, dass es Inseln und Inseln auf Inseln gibt. Die mich aufhalten, saubermachen und wieder vorsichtig runterschubsen.
Ich lasse mich treiben wie ein Treibholz und bekomme Spuren, die mich noch wertvoller machen. Es funkelt und glitzert um mich herum, der Mond zeigt mir den Weg, in den Schaumkronen erkenne ich Hasen und die Fische lassen mich manchmal in ihrem Strom mitschwimmen.
Vermissen und verzeihen, vergessen und verlassen, verlieben in den Moment, den wir gerade haben. Momente wie Sand am Meer, nur noch viel mehr.




Dreckige Füße und Konfetti im Hirn, erinnere ich mich an früher. Wir werden alle größer, auch die Seifenblasen.










Vor den Fensterscheiben laufen entspannte Gesichter vorbei. Nur für die Irren ist Sonntag Alltag. Die Berlin Seifenblase spannt sich in der Entspannung, müde und glückliche Augen lassen das Wochenende Revue passieren.
Zwischen Dosenstechen und Philosophie, Apfelhandtaschen und Familienzuwachs spielt der Straßenmusikant zum tausendsten mal Besame Mucho, und irgendwie stört es heute niemanden, nur der Hanuta Verkäufer, der eigentlich lieber ein Gartenzwerg mit Limonadenstand wäre, hat auch heute schlechte Laune.
Hoffentlich darf der Mann, der heute besonders intensiv auf seine Fahrradklingel einschlägt, um auf sein nicht vorhandenes Wahlrecht aufmerksam zu machen, bald wählen. Ich überlege mir, ob ich ihn heiraten soll, damit er sich schon bald ein neues Motto auf das Transparent, das er durch die Oranienstraße fährt, schreiben kann.
Wir sind alles Idealisten, manche wissen es nur noch nicht, aber heute wird mir die Gleichheit der Pflanzen, die sich Menschen nennen besonders klar.
Mein Lippenstift leuchtet mir den Weg, ich gehe extra langsam und spazieren, plane mit meiner neuen Nichte ein Ikea Orchester und fühle mich wohl in der Rolle der Jury.
Verzeiht mir, wenn ich Euch gestern Nacht nicht habe schlafen lassen, ich war so euphorisch über den Fakt, dass ich mir selbst eine Tür geöffnet habe, dass ich das gerne mit Euch allen per SMS Konzert teilen wollte. Ich nehme Euch nicht übel, dass ihr mir nicht geantwortet habt, ihr konntet ja nicht wissen, wie angekommen in mir selbst ich mich gerade fühle.
Für All die, die dieses besondere Wochenende in der Balance zwischen Gesund und Krank, Hell und Dunkel, Liebe und Nicht Liebe, Loslassen und Festhalten und dazwischen mehreren Runden Kniffel und Dosenbierstechen in meiner Badewanne mit mir geteilt haben. Danke! Es war ein Monsterwochenende. Ich ziehe mir nur die Decke über den Kopf und schalte den Verarbeitungsmodus an.
Leben in Berlin. Eine Soap mit sehr besonderen Hauptdarstellern.
Ich habe ein Jahr lang gebraucht, ein Jahr habe ich aufgeräumt, weitergeträumt. 365 Tage habe ich sortiert und analysiert, um wieder da anzukommen, wo ich vor langer Zeit aufgehört habe.
Ich denke nicht, ich fühle.


Ach ja, der liebe Gott ist manchmal wirklich ein Scherzkeks.
Monatelang steckt er mich in Isolationshaft, ich soll mich besinnen, zu Sinnen kommen, den Sinn finden.
Und dann bin ich fertig damit, und verlasse das Haus. Ziehe mir mein schönstes Kleid an, habe sogar ordentliche Fingernägel, zeige mich der Welt von meiner besten Seite, lächle, unterhalte mich eloquent, öffne mich und meine Welt.
All die Mühen, um am ersten sonnigen Tag des Jahres am Samstag früh 07:52 alleine auf einer Straßenkreuzung irgendwo im tiefsten Schöneberg zu stehen, der Lidstrich parallel zu den Augenringen, Fragezeichen anstelle von Vögelchen um mein Köpflein fliegend und ich stelle alles erneut in Frage. Der Drang etwas zerbrechliches zu zerbrechen zerbricht mich.
Hereinspaziert, hereinspaziert! Ich mache Bekanntschaft mit einem mir neuen Gefühl: Wut.
…der Koffer ruft aus meinem Keller, mein Herz möchte sich verstecken und ich danke ihm, dem lieben Gott, dass ich jetzt wenigstens diesen Text schreiben durfte. Abwasch, der Abwasch. Ich setze meine Wut in Energie um, nutze die Kraft des Gegners und spüle mich frei. Dann verabschiede ich mich in Besinnungsmodus Phase 2, ziehe mir wieder mein Cape zur Unsichtbarmachung an und zeige allem weltlichen den Mittelfinger, nein am Besten gleich Beide, mit ruckartigen Bewegungen. Auch wenn das eine Dame mit 30 eigentlich nicht mehr tun sollte, aber– ich hatte wirklich keine Wahl.
Berlin ist beliebig, ich bin es nicht. Zeit loszulassen.

Ich schreibe so wenig in letzter Zeit. Ich lese mir alte Buchstabenabfolgen durch und fühle, wie wenig ich gerade fühle. Ja, ich habe bewusst eine Pause gewählt, aber was, wenn ich mich an das Nichtfühlen gewöhne? Dann kann ich vielleicht nie wieder schreiben.
Ich vermisse das Schreiben, aber da kommt so wenig aus mir heraus. Ich habe wohl nichts zu sagen. Ich bin unterinspiriert. Ich sollte mal wieder beginnen zu fühlen. Vielleicht schaffe ich ja, dass die ganze Sache dieses Mal ohne Schmerzen abläuft.
Kürzlich las ich im Zug ein Interview mit einem Schriftsteller, der sein Leben lang nichts anderes getan hat, als sich selbst herauszufordern, der Literatur zuliebe. Seine persönliche Liebe hat er in den Schatten gestellt. Er musste sich für eine Liebe entscheiden. Oder: Die Kunst hat für ihn entschieden.
Was für ein Verhältnis zur Kunst habe, muss ich mir noch mal überlegen. Darüber schreiben kann ich gerade nicht, weil ich gerade nicht schreibe. Ich fange an, etwas zu fühlen. Muss aber noch mal darüber nachdenken.

Wenn zum Beispiel der Grillgeruch zwischen Dir und dem Drogendealer im Görlitzer Park vorbei weht, wenn man plötzlich auf den von unten noch kalten Wiesen ein bekanntes Gesicht sieht und denkt: “ach, der lebt noch”, wenn man am ersten Frühlingstag in Deutschland nach 7 Monaten Isolationshaft vor dem Computer sitzt, weil niemand da ist, zum teilen, und das Wetter das einzige ist, worüber man schreiben möchte, dann ist man in Berlin. Ich erinnere mich.
immer dieses loslassen. einlassen. verlassen. hassen. hoch die tassen!
Der Briefkasten für Worte.